Vom Ausland in die Schweiz: Prakti, Lehre und?

by EXANIC AG - DIGITAL FACTORY

Da sein Vater in internationalen Unternehmen arbeitete und deshalb auch Positionen im Ausland innehatte, besuchte unser Lernender Dario die letzten elf Jahre Ausbildungsstätten auf drei unterschiedlichen Kontinenten. Im August startete er nun ins 1. Lehrjahr als Informatiker Applikationsentwicklung. Zur Zeit vor Lehrstart und zu seinen Zukunftsplänen haben wir ihm einige Fragen gestellt.

Dario. Du bist jetzt erst seit Dezember 2019 wieder in der Schweiz. Berichte uns doch von deinen Stationen im Ausland: wo hast du überall gelebt?

Ich bin in der Schweiz geboren und als ich sieben Jahre alt war, zogen wir nach Johannesburg, Südafrika. Dort verbrachten wir knapp fünf Jahre. Danach ging es ab nach Österreich. Nach fast vier Jahren in Salzburg sind wir nach Los Angeles gezogen. Nach zwei Jahren reisten wir wieder zurück in die Schweiz.

Du hast sicher sehr viel gesehen in all den Jahren. Wo hat es dir am besten gefallen?

Diese Frage stellte ich mir in jedem Land und immer wieder musste ich feststellen, dass sie extrem schwierig zu beantworten ist, da alle von uns bewohnten Orte ihre Vor- und Nachteile haben. Ich schwanke zwischen Los Angeles und Johannesburg. In Johannesburg verbrachte ich den grössten Teil meiner Kindheit. Ich kann mich noch an vieles erinnern und die fünf Jahre dort blieben mir als gute Zeit in Erinnerung. Als wir von der Schweiz wegzogen, war ich noch so Jung, dass ich mich nur wenig an meine Kindheit hier zurück erinnern kann. Mir persönlich hat es in Los Angeles am besten gefallen. Mal ehrlich, wer würde nicht gerne auch mal in LA leben? J  Ich war an der High-School, konnte schon mit 16 Jahren Autofahren und führte ein Leben, das sich viele meiner Kollegen aus den von uns vorher bewohnten Ländern nur wünschen konnten.

Gefällt es dir in der Schweiz? Vermisst du etwas, dass du in den Jahren im Ausland geschätzt hast?

Zuerst war ich nicht sehr motiviert, wieder zurück in die Schweiz zu ziehen. Ich musste innerhalb kürzester Zeit entscheiden, was ich jetzt mit meinem Leben anfangen möchte und welchen schulischen Weg ich einschlagen soll. Dies war anfänglich sehr stressig. Doch jetzt, wo all dies hinter mir liegt, bin ich schon auch wieder froh, hier zu sein. Ich schätze es sehr, wieder in der Nähe meiner Grosseltern und anderen Familienmitglieder zu leben. Auch das Schulsystem hier in der Schweiz ist nicht zu vergleichen mit dem der der anderen Länder. Für mich war das wechseln der Schulsysteme jeweils sehr mühsam. Benotungen waren anders, Unterrichtsstunden und allgemein die Schultage waren immer anders gestaltet. Auch der Schulstoff war von Land zu Land unterschiedlich. Daher gab es Situationen, in denen ich Schulstoff nachholen musste, aber auch solche, in denen ich während des Unterricht gelangweilt war, da ich bestimmte Themen in einem anderen Land schon gelernt hatte. Auch die im jeweiligen Lehrplan vorgesehenen Fremdsprachen entpuppten sich immer mal wieder als problematisch. In Südafrika musste ich Englisch lernen, in Österreich kam plötzlich Französisch dazu und in Los Angeles anstelle von Französisch dann Spanisch. Jetzt bin ich in der Schweiz und muss vier Jahre Französisch aufholen.

Das Schwierigste in den letzten Jahren war natürlich immer, seine Freunde/-innen zurück zu lassen und versuchen, auch über Distanz Kontakt zu halten. Und dies, während dem man sich im neuen Land wieder in der Schule anpassen musste und versuchte, neue Freundschaften aufzubauen.

Du hast dich für den Beruf Informatiker entschieden. Wie kam es dazu?

Ich war schon immer fasziniert von der Technik. Als wir noch in der Schweiz lebten, besuchten wir oft das Technorama in Winterthur. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich bei jedem Besuch nicht nach Haus wollte, bevor ich jede Station gesehen und jeden einzelnen Knopf gedrückt hatte.

In Salzburg wechselte ich nach drei Jahren in die Elektrotechnikklasse der HTBLuVA (Höhere Technische Bundeslehr- und Versuchsanstalt). Doch leider konnte ich die Klasse nur ein halbes Jahr besuchen, da wir danach nach Los Angeles reisten. In LA habe ich einen nebenschulischen Kurs besucht im Technikbereich besucht. Dort wurde mir bewusst, dass Elektrotechnik nicht der richtige Weg für mich ist. Ich habe mich dann immer mehr für Informatik interessiert.

Plötzlich hiess es, dass wir in die Schweiz ziehen und ich Bewerbungen für eine Lehrstelle schreiben soll. Ich wusste damals schnell, dass ich gerne eine Lehre als Informatiker/ EFZ Applikationsentwicklung machen wollte. Das Problem war nur wo, denn es war bereits anfangs Dezember und zu diesem Zeitpunkt waren die meisten Lehrstellen schon vergeben.

Was gefällt dir am Arbeitsalltag als Informatiker?

Ich schätze es sehr, dass ich bei exanic jetzt schon an Projekten mitarbeiten kann. Jeder Tag hält neue Herausforderungen bereit, durch die ich Neues lernen kann. Ich entwickle mich von Tag zu Tag weiter und es gab bis jetzt noch keinen Moment, an dem ich gelangweilt war oder ich nichts zu tun hatte.

Und was bereitet dir weniger Spass?

Bis jetzt habe ich keine schlechten Erfahrungen gemacht. Bis auf das eine Mal, als ich einen ganzen Tag damit verbracht habe eine Lösung für ein Problem zu finden und mir mein Lehrmeister dann kurzerhand eine simple und logische Lösung zeigte. Dies war dann schon ein bisschen demotivierend. ☺

Kaum zurück in der Schweiz, hast du bei exanic den Lehrvertrag mit Start per Sommer 2020 unterschrieben. Davor hast du knapp fünf Monate ein Praktikum bei uns gemacht. Was waren deiner Meinung nach die Vorteile des Praktis?

Da ich schon im Dezember in der Schweiz ankam und die Lehre erst Mitte August anfing, hatte ich nicht viel zu tun und war daher froh um die Möglichkeit, ein Praktikum vor Lehrbeginn zu absolvieren.

Jetzt nach dem Lehrbeginn kann ich sagen, dass sich das Praktikum voll und ganz gelohnt hat. Ich merke, wie gross der Vorsprung gegenüber meinen Mitschülern ist und wie viel einfacher mir der Start in die Lehre fiel. Dank des Praktikums habe ich schon viel Erfahrung mit Programmieren gesammelt und darf jetzt im Betrieb schon aktiv an Projekten mitarbeiten, während meine Kollegen erst in einem Jahr im Betrieb arbeiten werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass ich jetzt schon das ganze Team kenne und ich mich bei exanic schon gut einleben konnte. 

Dein Lehrstart hat direkt mit einem wochenlangen ÜK begonnen, den du nebst dem Schulunterricht bei der Siemens besucht hast. Wie laufen diese Kurse ab? Und was habt ihr speziell gelernt?

Ich bin einer von zwei Lernenden, die nur die Pflicht-Module der überbetrieblichen Kurse besuchen müssen. Dies bedeutet, dass ich nur ein paar Mal für einige Wochen diesen Kurs bei der Siemens besuche und dort jeweils ein «Modul» abschliesse. Die anderen Lernenden sind ein ganzes Jahr bei Siemens und absolvieren dort ein sogenanntes Basislehrjahr. Bis jetzt habe ich zwei Module bei der Siemens abgeschlossen: «Analysieren und objektbasiert Programmieren mit Komponenten» und «Webauftritt erstellen und veröffentlichen». 

Du absolvierst die Lehre mit Berufsmatura. Was ist für dich anders gegenüber jenen Lernenden, die eine herkömmliche Lehre absolvieren?

Die Berufsmatura oder auch Berufsmaturität berichtigt zum prüfungsfreien Eintritt zu einem Fachhochschulstudium.  Für mich in der Lehre bedeutet dies, dass ich zusätzlich Französischunterricht habe und Fächer wie Mathematik, Deutsch und Englisch auf einem höheren Niveau unterrichtet werden. Zudem habe ich pro Woche einen Schultag mehr als jene Lernende, die keine Berufsmatura machen. Die Berufsmaturität kann man jedoch auch nach dem Abschluss der Lehre absolvieren. Ein Jahr lang Vollzeitunterricht oder zwei Jahre berufsbegleitend.

Wenn du in die Zukunft blickst. Was sind deine Pläne für die nächsten fünf Jahre?

Mein Ziel ist es sicherlich die Lehre mit Berfusmaturität abzuschliessen und mich weiterhin täglich herauszufordern. In den kommenden Jahren möchte ich mit meinen Kollegen auch an eigenen Projekten herumtüfteln und diese erfolgreich realisieren. Wir sind schon ganz fleissig daran, Ideen zu sammeln, was wir alles kreieren wollen.  Ich hoffe auch ganz fest, dass ich einmal Zeit haben werde, um meine Kollegen in Los Angeles zu besuchen.

Eines ist jedoch klar. Ich werde in meiner Zukunft sehr viel mit Computern zu tun haben und darauf freue ich mich. ☺