Gamification – mit Spiel und Spass Impact erzielen

by Selina

Um das Verhalten von Mitarbeitenden zu beeinflussen, Arbeitsprozesse zu optimieren oder die intrinsische Motivation von Mitarbeitenden zu steigern setzen Unternehmen vermehrt auf Gamification-Elemente. Wir nehmen die Thematik genauer unter die Lupe und beleuchten unsere hauseigenen Spielmittel.

Gamification ist grundsätzlich nichts Neues. Schon anfangs der 2000-er Jahre bedienten sich Unternehmen spielerischer Elemente, um im Arbeitsalltag den Spassfaktor zu erhöhen. Eine treffende Definition ist dabei die folgende: Gamifcation ist der Einsatz von Spiele-Elementen in einem Nicht-Spiele-Kontext. Die Faktoren des Spiele-Erlebnisses und des Spasses sind dabei essenzielle Erfolgsfaktoren dieses Konzepts.

Spielerisch zum Erfolg

Menschen haben das angeborene Bedürfnis, besser zu werden, Neues zu lernen und das eigene Können mit anderen in einem Wettkampf zu messen. Spiele befriedigen demnach für Menschen typische Bedürfnisse. Das Lösen von Rätseln, das Auslosen von Zahlen in einer Lotterie, der Erhalt von Medaillen und Auszeichnungen oder das Erreichen von einem nächsthöheren Level – all diese Mechanismen führen bei Menschen zu Nervenkitzel und motivieren, immer weiter zu machen und sich stetig zu verbessern. Der Einsatz von spielerischen Elementen in Unternehmen kann somit die Motivation steigern, die Ausdauer verbessern sowie Verhalten entsprechend beeinflussen. Durch die Gamifizierung kann sogar eine grundsätzlich langweilige, monotone Aufgabe deutlich interessanter gestaltet werden. Somit wirst du dazu motiviert, dich sogar mit schwierigeren Problemen und Aufgabenstellungen zu beschäftigen. Eine Implementierung ist sowohl mittels digitaler wie auch analoger Lösungen möglich.

Erfolgreiche Beispiele aus der Praxis

Die Grossen machen es vor und setzen Gamification-Elemente erfolgreich in der Praxis ein. Um die Mitarbeitenden auf die eher trockenen und förmlichen Compliance-Regeln zu sensibilisieren, hat Bayer ein Serious Game entwickelt. Mitarbeitende können anhand von zehn Spielsequenzen alltägliche, compliance-relevante Situationen aus der Ich-Perspektive durchspielen und erhalten direkt die Konsequenzen veranschaulicht, wenn Fehlentscheide getroffen werden. PricewaterhouseCoopers (PwC) hingegen setzt bei der Rekrutierung auf spielerische Elemente. Im Spiel Multipoly, einer Art Monopoly, müssen Bewerber in einem virtuellen Assessement ihr Talent beweisen. Dabei werden die Teilnehmenden in einem simulierten Büro in die Rolle eines Praktikanten versetzt und müssen sich zum Beispiel in Interviews bewähren, an Schulungen teilnehmen, Verhandlungen führen, verschiedene Rollen ausprobieren oder sich weiteren Herausforderungen stellen. PWC kann die Resultate auswerten und für eine Vorauswahl von Kandidaten beiziehen. Ein weiteres Beispiel ist die Deb Group. Diese verfügt über ein riesiges Sortiment von Hautschutzprodukten für die Industrie. Damit sich die Vertriebsmitarbeitenden die vollumfängliche Produktepalette inkl. der Anwendungsmöglichkeiten einprägen kann, liess das Unternehmen ein Game entwickeln. Die Anwendung ist simpel aber effektiv: um verschieden Schmutzarten zu bekämpfen, müssen die Mitarbeitenden das korrekte Produkt auswählen.

Unsere Spielmittel

Die von den grossen Konzernen vorgestellten Gamification-Elemente sind alle digital. Die Vorteile solcher Lösungen sind, dass sie in grossen Unternehmen weltweit an allen Standorten eingesetzt und in unterschiedlichen Sprachen entwickelt werden können. Damit kann für wichtige Themen und Prozesse eine standardisierte Vorgehensweise sichergestellt werden. Weiter können die Mittel zeit- und ortsunabhängig eingesetzt werden. Treten bspw. neue Mitarbeitende ins Unternehmen ein, können diese selbständig auf spielerische Art und Weise die Produkte lernen oder die Compliance-Regeln durchgehen – und bei Bedarf so oft wiederholen wie sie wollen.

Die Entwicklungskosten für eine solche Lösung sind hoch. Und obwohl wir eigentlich an der Quelle sind, gute Entwickler beschäftigen und eine Inhouse-Lösung anstreben könnten, wäre dies für ein KMU mit unserer Grösse wenig zielführend. Deshalb setzen wir im Alltag auf analoge Elemente. Wie die aus der Literatur bekannte Firma Acme App AG haben wir bei uns die beiden Elemente «Time to play» und «Ämtli-Karten» etabliert. Wir haben einen iPong-Tisch sowie einen Kicker im Büro. Anders als Acme haben wir keinen Zufallsgenerator programmiert, der uns ans Spielen erinnert. Unsere Mitarbeitenden sollen selbst Initiative ergreifen, wenn ihnen Lust nach einer kurzen Pause ist, sie ihren Kopf lüften oder entspannen möchten. Denn solche kurzen Pausen tun gut, um wieder konzentrierter den alltäglichen Aufgaben nachgehen und eine höhere Arbeitsqualität erzielen zu können. Zudem führen wir immer mal wieder Olympiaden und GameOns durch, um den Teamzusammenhalt zu fördern. Auch in sportlicher Hinsicht messen wir uns in Games: das Unihockey am Mittag erfreut sich grosser Beliebtheit. Zudem nutzen wir hie und da projektbasiert Möglichkeiten, um Gamification-Elemente einfliessen zu lassen. Für ein Kundenprojekt haben wir beispielsweise auch schon ein Kahoot-Quiz durchgeführt. Ziel war es herauszufinden, wie gut das Team die Lösung kennt.

Wie es in einem kleineren Büro so ist, fallen wöchentlich Aufgaben an, die erledigt sein müssen. Sei dies das Ausräumen der Abwaschmaschine, das Entkalken der Kaffeemaschine oder die Kontrolle der WCs. Meist kümmerten sich immer dieselben Personen für Ordnung und Sauberkeit. Deshalb entschlossen wir uns, die Aufgaben mittels Ämtli-Karten zu verteilen. Die Ziehung der Ämtli-Karten findet jeweils alle zwei Wochen anhand eines Ämtli-Pokers statt. Werden die Aufgaben mangelhaft oder gar nicht ausgeführt, dürfen die entsprechenden Personen nochmals üben und das Ämtli weitere zwei Wochen ausführen. Im Grossen und Ganzen funktioniert das System gut. Dies vor allem, weil die Zuständigkeiten geklärt sind. Obwohl die Akzeptanz im Team vorhanden ist, gibt es immer mal wieder Leute, die erinnert und auf ihre Pflichten aufmerksam gemacht werden müssen – aber das ist normal und durchaus verständlich. Das Ämtli-System ist für uns jedoch eine sehr gute Lösung, um für mehr Ordnung und Sauberkeit im Büro zu sorgen.

Quellen:

  • J. Schellinger, K. Tokarski und I. Kissling-Näf (2020). Digitale Transformation und Unternehmensführung. Wiesbaden: Springer-Verlag.